Dieselbusse umbauen statt ersetzen: Eine sinnvolle Alternative, zeigt eine Empa-Studie. Im Bild: ein elektrischer Stadtbus. Bild: Unsplash/empa.
Dieselbusse umbauen statt ersetzen: Eine sinnvolle Alternative, zeigt eine Empa-Studie. Im Bild: ein elektrischer Stadtbus. Bild: Unsplash/empa.

Der europäische Busverkehr kann 15 Jahre früher elektrifiziert werden, wenn alle Dieselbusse auf Elektrobetrieb umgerüstet würden. Die Busbetreiber sparen Kosten und können ihr Angebot ohne grosse Investitionen in die Infrastruktur ausbauen und auch die Umwelt profitiert.

Überall wird diskutiert, wie man Netto-Null erreichen kann. Der Verkehr produziert sehr viele Schadstoffe. Da der öffentliche Verkehr effizienter ist als der Privatverkehr, verbessert sich die Bilanz, wenn mehr Leute umsteigen. Noch besser wird es, wenn der ÖV elektrifiziert wird. Busse sind eine attraktive Option, denn sie brauchen im Gegensatz zum Schienenverkehr kaum neue Infrastruktur. Wenn durch den Kapazitätsausbau der Individualverkehr abnimmt, entsteht auf dem bestehenden Strassennetz sogar mehr Platz für Busse.

 

Ersatz von Dieselbussen

2023 waren erst knapp drei Prozent aller Busse auf europäischen Strassen elektrisch unterwegs. «Wenn die Busflotte konstant bleibt, dauert es noch bis mindestens 2055, bis mehr als 95% aller europäischen Busse mit elektrischen ersetzt wären», sagt Harald Desing aus der Abteilung Technologie und Gesellschaft an der Empa in St. Gallen. «Das ist nach 2050, dem Jahr, wenn das Netto-Null-Ziel in Europa und der Schweiz erreicht sein sollte – und viele Länder und Regionen haben sich noch ambitioniertere Ziele gesetzt.» Somit dauert der Ersatz zu lange und er ist unbefriedigend. Desing untersuchte deshalb eine komplett andere Lösung. «Wenn wir bestehende Busse auf Elektrobetrieb umrüsten, anstatt sie durch neue zu ersetzen, erreichen wir die vollständige Elektrifizierung der Busflotte rund 15 Jahre früher – und sparen dabei erst noch Emissionen und Rohstoffe», so der Forscher.

 

Umbau lohnt sich

Im EU-Forschungsprojekts «CircEUlar» untersuchte Desing das  Potential dieses «E-Retrofittings» für die europäische Busflotte. Bereits heute bieten Firmen den Umbau für Diesel- und Benzinfahrzeuge an. Bei den Bussen könnten die Verfahren und die Bauteile standardisiert werden, da es im Gegensatz zu den PWs nur wenige Modellreihen gibt, die zudem noch in grossen Stückzahlen gebaut werden.

Nach der durchschnittlichen Gebrauchsdauer eines Dieselbusses in Europa werden sie meisten ins Ausland verkauft, wo sie während Jahrzehnten weiter Emissionen erzeugen. Das ist überhaupt nicht nachhaltig. Nach dem Umbau entfallen die Abgase und die Umrüstung verursacht 20 – 50 Prozent weniger schädliche Umweltauswirkungen als die Herstellung eines neuen Fahrzeugs.

Beim Umbau werden Motor und Getriebe ersetzt und statt Auspuff und Tank gibt es Batterien. Etwaige Hilfsantriebe für die Klimaanlage, das Bremssystem und die Lenkunterstützung lassen sich relativ einfach auf kleine Elektromotore umstellen. «Mit standardisierten Retrofit-Kits würde ein einzelner Umbau nur wenige Tage dauern. Die Elektrifizierung der Flotte könnte damit ohne grosse Auswirkungen auf den laufenden Betrieb stattfinden», erklärt der Forscher. Da die ausgebauten Teile vorwiegend aus Stahl und Aluminium bestehen, können sie recycelt werden.

 

Günstige E-Bus-Flotte

«Heute werden Busse ersetzt, weil sie moderne Emissionsstandards, etwa bei Feinstaub oder Lärm, nicht mehr erfüllen», erklärt Desing. «Wenn der Antrieb ausgetauscht wird, können Karosserie und Inneneinrichtung oft deutlich länger in Betrieb bleiben.» Die Umstellung kann zu jeder Zeit erfolgen und langfristig reduzieren sich die Kosten.

Die benötigte Ladeinfrastruktur wurde nicht untersucht. Der Forscher ist aber zuversichtlich, dass sich diese verhältnismässig einfach implementieren liesse. «An Orten mit bestehenden Oberleitungen können die Busse beispielsweise während der Fahrt aufgeladen werden», führt der Forscher aus. Dadurch reduzieren sich die Kosten weiter, da kleinere Batterien ausreichen würden.

Um diese vielversprechende Strategie weiterzuverfolgen, müsste die Technologie für das E-Retrofitting standardisiert und skaliert werden. Harald Desing sieht neben Europa auch Potenzial für weitere Länder und Regionen. Diese müssten aber genauer untersucht werden. Er denkt aber auch an das Retrofitting von Lastwagen, von denen noch mehr auf unseren Strassen fahren.