Viele Kunststoffgemische und weniger Metalle fordern neue Techniken und neue Messgrössen im Recycling
Viele Kunststoffgemische und weniger Metalle fordern neue Techniken und neue Messgrössen im Recycling

Das Recycling von Elektrogeräten steht vor neuen Aufgaben, da Metalle immer mehr durch Kunststoffe ersetzt und die gesetzlichen Vorschriften in Europa verschärft werden. Es wird mehr Wiederverwertung statt blosses Recycling verlangt. Swico und SENS eRecycling zeigen in ihrem Fachbericht 2026 die Herausforderungen.

Das Ergebnis der Untersuchung mit einer Auswertung der letzten 20 Jahre  zur Verarbeitung von Elektro- und Elektronikaltgeräten (EAG) zeigt einen deutlichen Trend zu kleineren und leichteren Geräten mit weniger Metallanteil. Dieser sank innert 2 Jahren von 65 auf unter 50 % und der Kunststoffanteil verdoppelte sich fast.

Technologien zur Kunststofferkennung

Damit möglichst wenig technisch rückgewinnbare Wertstoffe im Abfall landen, muss die Technologie zur Kunststofferkennung verbessert werden. Der Metallanteil wird weiter abnehmen, während die Komplexität der Materialverbunde weiter steigt. Das heisst: weg von reinen Mengenkennzahlen und hin zu einer präziseren, technologisch anspruchsvolleren Rückgewinnung wertvoller Ressourcen.

 

Strengere Schweizer Praxis als EU

Die Schweiz orientiert sich an den europäischen Normen, hat aber einen eigenen rechtlichen, institutionellen und technischen Ansatz für die Entsorgung von Elektro- und Elektronikaltgeräten (EAG). Technologien, die kein echtes stoffliches Recycling ermöglichen oder deren Datengrundlage unzureichend ist, werden nicht angerechnet. Durch diese strengere Berechnungspraxis im Vergleich zu vielen EU-Ländern weist die Schweiz realistischere Quoten aus und verhindert dadurch überhöhte Recyclingleistungen.

Mehr Wiederverwertung und Übergang zur Kreislaufwirtschaft

Auch regulatorisch wird sich das Recycling von Elektro- und Elektronikaltgeräten in den kommenden Jahren grundlegend verändern. Neue internationale Vorgaben – etwa die EU-Regelungen zur Circular Economy oder die Revision des Schweizer Umweltschutzgesetzes (USG) – verschieben den Fokus vom reinen Recycling von Altgeräten hin zu mehr Wiederverwendung und zum Schutz knapper Rohstoffe.

Mit verschiedenen Pilotprojekten, unter anderem im ReUse- und im Photovoltaikbereich, wird im Fachbericht gezeigt, wie Produkte systematisch aus dem Abfallstrom zurückgeführt und ihre Nutzungsdauer verlängert werden kann. «Damit bestätigen wir, dass Lösungen zur Wiederverwendung von Altgeräten bereits heute technisch und rechtlich möglich sind. Die grösste Herausforderung bleibt jedoch die Nachfrage nach solchen Produkten. Das gilt insbesondere in einem Hochlohnland wie der Schweiz», erklärt Pasqual Zopp, Geschäftsführer von SENS eRecycling. Die neuen Umweltanforderungen sind überwindbar, man muss aber die sich bietenden Chancen entschlossen nutzen.