Das Eidgenössische Starkstrominspektorat (ESTI) in Fehraltdorf hat im Berichtsjahr 2024 insgesamt 1′026 elektrische Erzeugnisse einer intensiven Marktüber-wachung unterzogen.

Über Online-Bestellungen, direkt in Läden und auf Fachmessen prüfte es rund 291 Produkte (28 %) auf formelle oder technische Mängel. 213 davon wurden als potenziell gesundheitsschädlich eingestuft – wegen Risiken wie Stromschlag, Verbrühung, Brand oder Rauchentwicklung. In der Folge erlässt das ESTI 65 Verkaufsverbote und veranlasst elf Rückrufe bzw. Sicherheitswarnungen in Kooperation mit dem Bundesamt für Konsumentenschutz (BFK) und betroffenen Firmen.
Prüfgegenstand waren neben klassischen Haushalts- und Bürogeräten wie Mixern, Dampfbügelstationen, Powerbanks oder Steckerleisten auch Solarmodule, Beleuchtung, Installationsmaterial und sogar industrielle ATEX-Produkte. Besonders kritisch bewertet wurden Geräte mit nicht an Schweizer Normen angepassten Stecksystemen – wie Modellschuko-Stecker, die stellenweise standardisierten Anforderungen widersprechen.

Problemimporte aus Asien

Das ESTI warnt explizit vor Online-Käufen aus dem Nicht-EU-Ausland – besonders bei Händlern ohne europäischen oder Schweizer Sitz. In solchen Fällen werden Käufer zum virtuellen Importeur, was eine fehlende Produktsicherheit bedeutet. Zwar erlaubt das ESTI kurzzeitige Behelfsadapter, nicht aber die teils minderwertige Qualität dieser Geräte – von schlechtem CE-Verständnis bis zu Sicherheitslücken bei Bauteilen.
Unterstützend verdeutlichen Zahlen aus Deutschland das Problem. Laut der deutschen Bundesnetzagentur (bundesnetzagentur.de) weisen unsichere Drittstaaten-Importe – insbesondere aus China – deutlich höhere Beanstandungsraten auf als europäisch hergestellte Produkte. Prüfungen zeigen, dass bei Asien-Produkten der Anteil problematischer Artikel doppelt so hoch sei – vielfach handelte es sich um Funktionen wie CE-Kennzeichnung, fehlende Gebrauchsanleitungen oder Einhaltung elektromagnetischer Standards.
Bereits im Zeitraum 2015 beobachteten deutsche Behörden eine dominante Herkunft aus China bzw. Hongkong, während Zollaufgriffe zumeist diese Länder betrafen. Die Bundesnetzagentur entfernte 2024 rund 8000 Gerätetypen, insgesamt 5,3 Millionen Einzelgeräte – im Vorjahr waren es sogar 8100 Typen und 73 Millionen Artikel. Diese Aktion zeigt, dass billige Importware zunehmend zur Gefahr wird – sowohl für Verbraucher als auch für fairen Wettbewerb.

Empfehlung

Die Prüfaktivitäten rund um Elektrogeräte haben ein klares Muster gezeigt: Billigimporte aus Asien, vorrangig China, sind überproportional oft unsicher. Ihre niedrigen Preise gehen häufig auf Kosten der Qualität – CE-Zeichen fehlen, Anleitungen sind mangelhaft, Kompatibilität mit einheimischenNormen ungewiss.

Das ESTI und andere Marktüberwachungsbehörden empfehlen daher: 

  1. Vorrang für Produkte aus Europa oder mit europäischem/Schweizer Importeur, die die geltenden Normen einhalten.
  2. Käuferhaftung beachten: Es liegt in der Verantwortung des Käufers, die Sicherheit ausländischer Importe zu prüfen.
  3. Auf sichere Kennzeichen achten: Schweizer ESTI-Zeichen, CE-Kennzeichnung, klare Herstellerangaben und Gebrauchsanweisungen sollten zwingend vorhanden sein.
  4. Unsichere Produkte melden: Konsumentinnen und Konsumenten sollten solche Elektrogeräte direkt am Verkaufsort zurückweisen. Zudem kann dem ESTI über das Kontaktformular auf der Webseite www.esti.admin.ch bzw. https://ots.ch/yCp6tU eine Meldung erstattet werden.
Mit 65 Verkaufsverboten und 11 Rückrufen im Jahr 2024 hat das ESTI deutlich signalisiert, dass Produktsicherheit ernst genommen wird. Gerade angesichts der wachsenden Flut und Vielfalt global gehandelter Geräte müssen Konsumenten bei Online-Bestellungen aus Nicht-EU-/Nicht-Schweizer Quellen wachsam sein – nur so lassen sich Risiken für Mensch und Markt vermeiden.