Die Hochschule Luzern (HSLU) hat zum zweiten Mal den Kantonalen Innovations- und Kreativitätsindex (KIKI) erstellt, neu zusammen mit dem Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum. Erstmals können Grossregionen miteinander verglichen werden, und jeder Kanton wird in einem übersichtlichen Profil einzeln dargestellt.
Die Schweiz belegt bei internationalen Kreativitäts- und Innovationsrankings regelmässig Spitzenplätze. Doch wie sieht es innerhalb des Landes bei den einzelnen Kantonen aus? Der Kantonale Innovations- und Kreativitätsindex (KIKI) liefert in einem umfassenden Ranking Antworten auf diese Frage. Der KIKI orientiert sich am Global Innovation Index (GII) und besteht aus unterschiedlichen Indikatoren, die in «Input» und «Output» gruppiert werden. Inputfaktoren sind solche, die Innovation und Kreativität begünstigen, während Outputfaktoren die Wirkung von Innovation und Kreativität messen. Als Datenquellen dienen u.a. das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum (IGE), das Bundesamt für Statistik (BFS), die Eidgenössische Finanzverwaltung (EFV), die Innovationsagentur des Bundes Innosuisse und die OECD.
Kanton Zug erneut an der Spitze
Wie in der ersten Ausgabe des KIKI 2025 dominieren auch in der zweiten die Kantone Zug, Basel-Stadt und Zürich die drei vorderen Ränge. Während Zug seine Spitzenposition durch exzellente Werte bei Unternehmensgründungen, Wirtschaftswachstum und unterstützenden Faktoren (u.a. Steueranreize) festigt, besticht Basel-Stadt durch herausragende Performance als Kulturmetropole und Vorreiter in puncto Diversität. Zürich wiederum überzeugt als ausgeglichener «Allrounder» mit sehr soliden Werten über fast alle Dimensionen hinweg.
Prof. Dr. Christoph Hauser, Ökonom am Institut für Betriebs- und Regionalökonomie und Studienautor dazu: „Die drei erstplatzierten Kantone tauchen auch in anderen Wirtschaftsrankings ganz vorne auf, was an sich nicht überrascht: Innovationsfähigkeit ist gerade in der Schweiz ein entscheidender Treiber für den wirtschaftlichen Erfolg“.
Zentralschweiz stark in der Technologie
Bern (Platz 20) erreicht bei Forschung, Entwicklung und Wissen ein Niveau auf Augenhöhe mit den Spitzenreitern. In der Nordwestschweiz glänzen neben den beiden Basel (Basel-Stadt auf Platz 2; Basel-Landschaft auf Platz 18) auch der Aargau (Platz 19) und Solothurn (Platz 24) mit wettbewerbsfördernden, unterstützenden Faktoren. Aalle haben im Vorjahresvergleich beim Wirtschaftswachstum zugelegt, ausser Basel-Stadt. Die Zentralschweiz präsentiert sich als Technologie-Region: Nidwalden (Platz 12) erreicht knapp vor Zug dank globaler Industrie-Leuchttürme den ersten Rang bei Patenten, Marken und Designs. Luzern (Platz 15) verbucht dank verbesserter steuerlicher Rahmenbedingungen (Patentbox) deutliche Gewinne im Bereich Umfeld und gehört bei Bildung und Bildungserfolg zu den Besten. Obwalden (Platz 14) überzeugt mit einer hohen Forschungsintensität. Schwyz (Platz 9) punktet beim Umfeld und bei Unternehmen und Start-ups stark, auch dank exzellenter steuerlicher Rahmenbedingungen. Uri (Platz 26) beweist mit einer hohen Gründungsdynamik, dass unternehmerische Vitalität keine Frage der Grösse ist. „Kleine Kantone können mit ihrem eigenen Charakter oder einer Nischenstrategie ebenfalls erfolgreich sein. Uri positioniert sich beispielsweise mit seiner Agilität und der Lage an der Nord-Süd-Achse», so Hauser.
Jura macht grossen Sprung
In der Romandie überzeugen Genf (Platz 4) und Waadt (Platz 6) mit einem innovationsfreundlichen Umfeld und hoher Start-up-Dynamik. Neuenburg (Platz 5) bestätigt seine historische Stärke als «Watch Valley» und gehört bei Patenten, Marken und Designs schweizweit zur Spitze. Der Jura (Platz 10) konnte sich insgesamt deutlich verbessern und profitiert ebenfalls von einer hohen Dichte an Patenten. Hauser: «Jura konnte gleich bei drei von acht Säulen deutlich zulegen. Bei Patenten, Marken und Designs, bei Unternehmen und Start-ups sowie beim Wirtschaftswachstum zeigen die letzten Daten deutlich bessere Werte als noch im Vorjahr“. Freiburg (Platz 22) und das Wallis (Platz 16) konnten insbesondere im Bereich Wissen und Bildung wichtige Fortschritte erzielen.
Graubünden punktet bei der Diversität. Das Tessin liegt insgesamt auf dem siebten Rang, was auch seiner Dynamik im Wirtschaftswachstum zu verdanken ist, bei dem der Südkanton den zweiten Rang belegt. Gleich danach auf Rang acht überzeugt Schaffhausen mit einem breit abgestützten Profil und starken Verbesserungen bei Patenten, Marken und Designs. Der Thurgau (Platz 23) wächst solide und hat gute Werte bei der Bildung, während St. Gallen (Platz 17) zusätzlich als Forschungsstandort punktet und im Bereich Wissen den siebten Rang belegt. Graubünden (Platz 13) konnte seine Position im Ranking verbessern und punktet bei Diversität und Bildung. Glarus (Platz 25) konnte bei Wissen und Kreation zulegen, während die beiden Appenzell ihre Nischen finden: Appenzell Innerrhoden (Platz 11) überzeugt mit hohen Werten bei unterstützenden Faktoren und Patenten, Marken und Designs, während Appenzell Ausserrhoden (Platz 21) eine solide Basis in Bildung, Wissen und unterstützenden Faktoren zeigt.
Bei den Grossregionen liegt Zürich vorne
Neu wurden dieses Jahr auch Grossregionen miteinander verglichen: Die Region Zürich, die einwohnerstärkste Grossregion der Schweiz, steht an erster Stelle, gefolgt von der Genferseeregion, dem Tessin und der Zentralschweiz. Die Nordwestschweiz liegt dicht dahinter, während die Ostschweiz und der Espace Mittelland deutlicher auf den hinteren Plätzen liegen. Hauser erklärt das überraschend gute Abschneiden des Südkantons: «Das Tessin zeigt sich bei Wirtschaftswachstum, Unternehmen und Start-ups dynamisch und überholt dadurch die in sich verschiedenen Regionen Zentralschweiz und Nordwestschweiz».Insgesamt zeichnet der KIKI ein differenziertes Bild der Schweizer Innovationslandschaft: Jeder Kanton beziehungsweise jede Region hat unterschiedliche Stärken und weist Besonderheiten auf. Diese haben vielfältige Ursachen, etwa günstige geografische Rahmenbedingungen oder weitsichtige politische Entscheidungen in der Vergangenheit. «Der KIKI leistet mehr als eine blosse Bestandsaufnahme: Indem er die Vielschichtigkeit von Innovation und Kreativität aufschlüsselt, liefert er den Kantonen konkrete Ansatzpunkte für ihre Entwicklungsstrategien», sagt Christoph Hauser. Damit die Schweiz auch in Zukunft als innovativstes Land der Welt gilt, ist laut Hauser jeder Kanton gefordert, seine spezifischen Stärken zu nutzen und Beiträge zum nationalen Innovationssystem zu leisten.
Mehr Infos: www.kiki-icic.ch
Das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum (IGE) ist das Kompetenzzentrum des Bundes für Patent-, Design- und Markenschutz, Herkunftsangaben und Urheberrecht. Es unterstützt Innovative und Kreative dabei, aus ihren Ideen Werte zu machen und fördert damit Innovation, Wettbewerbsfähigkeit, kulturelle Vielfalt und gesellschaftlichen Fortschritt. www.ige.ch






















