Pilze zeichnen im Marmorholz ein Muster, das nicht an der Oberfläche der Bretter bleibt, sondern sich durch das ganze Holzstück zieht. Bild: Empa
Pilze zeichnen im Marmorholz ein Muster, das nicht an der Oberfläche der Bretter bleibt, sondern sich durch das ganze Holzstück zieht. Bild: Empa
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Die Empa entwickelte im Labor ein Standardverfahren für ein begehrtes Phänomen, das man bisher nur zufällig im Wald finden konnte.

Aus einheimischem Holz entsteht durch die Einwirkung des Schlauchpilzes ein begehrtes Muster aus schwarzen Linien. In Zusammenarbeit mit der Schreinerei Koster AG Holzwelten wurde das Verfahren kommerzialisiert.

In der traditionellen Schreinerei stehen heute auch Edelstahlcontainer, Labore, Klima- und Vakuumkammern. Ein steriles Umfeld und ein kontrolliertes Klima sind wichtige Voraussetzungen für die Pilze und das Entstehen des Marmorholzes. Mit dem Marmorholz hat die Schweiz ein neues Produkt, das einheimisch, exklusiv und trotz Hightech natürlich ist.

 

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Geschichte des Marmorholzes

Der Schreiner Jakob Koster entdeckte das Holz mit den gewellten schwarzen Linien und zeigte es dem Empa-Forscher Francis Schwarze. Dieser erkannte den Schlauchpilz, der vor allem als schwer nachweisbarer Schädling an Laubbäumen bekannt ist. Da er das dunkle Pigment Melanin bilden kann, gilt er auch als Holzveredler.

Früher deponierte man monatelang Baumstämme im Wald und hoffte auf die Veredelung durch den Pilz. Koster wollte das Holz aber gezielt herstellen. Gemeinsam wurde ein standardisiertes und skalierbares Verfahren zur Herstellung von Marmorholz entwickelt. Das Holz kommt nun unter dem Namen «Myrai» auf den Markt.

Klimatisiert: Lewis Douls kontrolliert die mit dem Pilz besiedelten Bretter, die in der Klimakammer reifen. Bild: Empa
Klimatisiert: Lewis Douls kontrolliert die mit dem Pilz besiedelten Bretter, die in der Klimakammer reifen. Bild: Empa

Kontrollierte Produktion mit einheimischem Holz

Die über zwei Meter langen Bretter werden in einer Vakuumkammer auf die korrekte Feuchtigkeit gebracht, sterilisiert und mit dem Pilz inokuliert. Während mehreren Wochen in der Klimakammer verrichtet der Pilz seine Arbeit. Das Bild der Melaninzeichnungen kann heute sogar gesteuert und verfeinert werden. Wenn das Ergebnis vorliegt, wird das Holz getrocknet und der Pilz stirbt dabei ab.

Da der Pilz die stark lignifizierten Bereiche der Zellwand nicht abbaut, behält das Holz eine hohe Biegesteifigkeit. Das Holz kann zur Dekoration oder für Möbel, Innenausbau, Musikinstrumente oder Schmuck verwendet werden. Der Hersteller verwendet vorwiegend einheimisches Holz wie Ahorn, Buche, Esche, Linde und Pappel. Das ist auch bedeutend nachhaltiger als der Import von exotischem Holz. Zudem wurden diese Holzarten bisher vorwiegend zum Heizen verwendet.

Zahlreiche einheimische Laubholzarten können zu Marmorholz verarbeitet werden, etwa Esche (oben) und Ahorn (unten). Bild: Empa
Zahlreiche einheimische Laubholzarten können zu Marmorholz verarbeitet werden, etwa Esche (oben) und Ahorn (unten). Bild: Empa

Vom Labor zur Marktreife

Es braucht viel Arbeit und eine Portion Glück, damit aus einem Laborergebnis ein massentaugliches Produkt werden kann. Den richtigen Pilz zu kultivieren ist eine Hightech-Angelegenheit, denn viele andere Pilze wachsen ebenfalls unter den gleichen und ähnlichen Bedingungen.

Die Produktion unter sterilen Bedingungen und die Wirtschaftlichkeit waren für den Chemiker Lewis Douls die zu überwindenden Hürden. Inzwischen läuft die Produktion und die Schreinerei ist sogar besser mit Laborausrüstung für die Zucht des Holzpilzes ausgestattet als das Empa-Labor. Jetzt erfolgt die Vermarktung und dann widmet man sich weiteren innovativen Ideen.

 

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