© Andreas Heddergott / TU München; Im Bild: Prof. Hussam Amrouch neben seinem KI-Chip
© Andreas Heddergott / TU München; Im Bild: Prof. Hussam Amrouch neben seinem KI-Chip

Als erste Universität in der Europäischen Union baute die Technische Universität München einen eigenen KI-Chip in 7 Nanometer-Technologie. Prof. Hussam Amrouch entwickelte den neuromorphen Chip auf Grundlage des Standards des weltweit führenden Chip-Produzenten TSMC. Pro Jahr sind drei neue Designs geplant, die ab 2028 von der European Semiconductor Manufacturing Company (ESMC) in Dresden produziert werden sollen.

 

Die Covid-Pandemie, Kriege, geopolitische Veränderungen und Verunsicherungen machten bisherige Lieferketten und Handelsbeziehungen unsicher. «Deshalb ist es künftig wichtig, von der Ausbildung von KI-Chip-Fachleuten über die technologische Entwicklung bis hin zur Fertigung von KI-Chips sämtliche Schritte in Deutschland und Europa zu machen», sagt Amrouch. Seine Studenten lernen im erst vor drei Monaten eröffneten KI-Chip-Forschungs- und Ausbildungszentrum MACHT-AI an der TUM das KI-Chip-Design. Mit ihrem Wissen können Sie in Unternehmen KI-Chips und Algorithmen entwickeln.

KI-Chip verarbeitet Daten lokal

Anders als Hersteller von Cloud-basierten KI-Chips (z.B. NVIDIA) konzentriert sich Amrouch auf eine Technologie, die Daten im Gerät verarbeitet und diese nicht in die Cloud schickt. Diese Methode vergrössert den Schutz der Privatsphäre.

Die KI-Chips basieren auf dem Open-Source-Standard RISC-V. Sie können spezifische Aufgaben übernehmen wie z.B. die Aufzeichnung und Auswertung von Hirnsignalen oder Herzschlag. Auch für Kontrollelektronik im Quantencomputing sollen seine KI-Chips in wenigen Jahren zum Einsatz kommen. Durch die Spezialisierung wird eine höhere Effizienz erreicht.

Private Datenverarbeitung

Die lokale Datenverarbeitung bietet Cybersicherheit und Schutz vor Missbrauch. «Wer den Chip designt und baut weiss, was drinsteckt und kann garantieren, was er tun wird», sagt Amrouch zu seinen Chips. Für ihn ist es wichtig, dass Unternehmen ihren Kunden die Privatsphäre ihrer Daten garantieren können. Für viele Wirtschaftsbranchen und das Militär ist absolutes Vertrauen wichtig. Bei ausländischen Chips besteht immer das Risiko von eingebauten Trojanern. Für die Entwickler ist es nicht nur wichtig dabei zu sein, sondern auch mitzugestalten.

TUM-Präsident Thomas Hofmann kommentiert dazu: «Geopolitische Risiken haben in den letzten Jahren dramatisch zugenommen. Deshalb ist es wichtig, dass Spitzentechnologie in Deutschland und Europa entwickelt und produziert wird. Mit seinen KI-Chips zeigt Prof. Hussam Amrouch eindrucksvoll, wie die Abhängigkeit von Asien und den USA erfolgreich reduziert und die technologische Selbstbestimmtheit in Europa gestärkt werden kann. Und das im Übrigen mit einem sehr nachhaltigen Konzept.»