Mit neuer Technologie wird Geothermie zu einer Alternative in der Energieversorgung. Sie kann die Winterstromlücke schliessen und ist Bandenergie. Die Nutzung kann dezentral erfolgen, was ein Vorteil gegenüber AKW ist. Deren Abwärmeverteilung ist zu teuer, weil die Energie nicht dort erzeugt wird, wo sie gebraucht wird.
Tobias Andrist, CEO der EBL, begrüsste 170 Gäste zum Power Talk über Energiegewinnung durch Geothermie. Seit dem misslungenen Basler Projekt vor 20 Jahren wurde viel dazugelernt. «Das Potential von 1’000 Grad sollte nun genutzt werden», sagte Andrist.
In Europa, den USA und in der Schweiz findet eine grosse Entwicklung statt. Es braucht immer wieder Initiativen, die Technologien weiterbringen. Christian Minnig, Fachspezialist beim BFE (Bundesamt für Energie) gab eine Einführung in die Thematik. «Unter unseren Füssen ist enorm viel Energie vorhanden. Das ist ein Überbleibsel von der Entstehung der Erde. Die Wärme nimmt pro Kilometer Tiefe um 30 – 40 Grad zu», erklärte er.
Wie kommt die Wärme an die Oberfläche?
Eine etablierte Technik ist die Extraktion, Nutzung und Rückgabe von natürlich zirkulierendem Thermalwasser (Conventional hydrothermal). Bei diesem Konzept gibt es ein Fündigkeitsrisiko und es ist limitiert skalierbar. Mit «Enhanced geothemal systems» werden undurchlässige Risse durch Wasserinjektion erweitert und dann wird das warme Wasser heraufgepumpt. Die Skalierbarkeit ist hoch, es besteht aber ein seismisches Risiko. Beim «Closed-loop geothermal» wird die Wärme konduktiv über einen geschlossenen Kreislauf gewonnen. Dieses System ist in Entwicklung, hat eine hohe Skalierbarkeit und es besteht ein wirtschaftliches Risiko.
Drei Methoden können für die Produktion von Bandstrom und Restwärme genutzt werden. Auch eine saisonale Wärmespeicherung ist möglich. Seit 2018 gibt es in der Schweiz 16 Geothermieprojekte. Das seismisches Risiko besteht immer noch, aber man kann es heute reduzieren. Die Schweiz sollte die internationale Entwicklung verfolgen und am Ball bleiben, meinte Minnig.

Expertenrunde
Die Experten bestätigten, dass das Potential für Geothermie in der Schweiz gross ist, aber auch die Unsicherheit. Es braucht mehr Zeit und Daten. Die Zeit hätten wir, aber es fehlt der Wille. Plattner beobachtet ein interessantes Wechselspiel zwischen Landrat und Regierungsrat. Es gibt einen Auftrag an die Regierung, den Kanton geologisch abzuklären. Bei Ormalingen und im Birstal untersucht man die mitteltiefe Geothermie für Wärmegewinnung.
Rechsteiner ist von Geothermie nicht überzeugt, da es zu lange dauert. Mit der Solarschiene sei man viel schneller. Für Minnig ist es keine Frage von entweder oder. Er möchte in die Breite gehen. Zingg will die Geothermie nicht schlecht reden, denn das Wachstum sei im Vergleich zu vor 20 Jahren exponentiell. Es gäbe neue Technologien. Verschiedene erneuerbare Energien sollen nicht gegeneinander ausgespielt werden. In den USA ist Strom aus Geothermie bereits konkurrenzfähig. Wichtig ist die Flexibilität der Geothermie. Rechsteiner plädierte für Solar- und Windenergie, da der Preis um 4 Rappen pro kWh ist. Geothermie kostet 30 – 60. Natriumbatterien seien heute so billig, dass sie sich lohnen.
Lösung des Energieproblems
Zingg will Geothermie nicht wegen den Kosten abschiessen, denn Solar war vor 20 – 30 Jahren auch teuer. Dazu meinte Rechsteiner, dass erneuerbare Energien einheimische Energien seien. Das zeigt der Beschleunigungserlass für Windenergie, der schlank über die Bühne ging.
Damit Geothermie zur Lösung des Energieproblems beitragen kann, braucht es Wirtschaftlichkeit durch wenig Förderung. Zudem soll Bewährtes weitergeführt werden und eine Verknüpfung mit anderen Technologien wie Speicher erfolgen. Eventuell brauche es gar keine Förderung mehr, «da der Zug schon lange unterwegs ist».
Geothermie kann Winterstromlücke schliessen und ist Bandenergie. Sie ist dezentral nutzbar gegenüber AKW, deren Abwärmeverteilung ist zu teuer, weil die Energie nicht dort erzeugt wird, wo sie gebraucht wird.






















